Statements der KSNW

Stellungnahme zum Gutachten "Weiterentwicklung der Schulverwaltung des Landes NRW" und Vorschläge zu Umsetzungsschritten 2017

I.

Die KSNW bestätigt die im Bericht vom 18.07.2016 enthaltene Analyse der Gutachter insbesondere in den Sachverhalten

  1. Diskrepanz zwischen fachlich wünschenswerter und tatsächlicher Aufgabenwahrnehmung
  2. Unzureichende Möglichkeit der Wahrnehmung von Kernaufgaben der Schulaufsicht
  3. Verdichtung von Aufgaben und Aufgabenzuwachs
  4. Optimierungsbedarf von Kommunikationsabläufen zwischen unterer und oberer Schulaufsicht,
  5. Schnittstellenprobleme durch die Schulform bezogene Aufsicht, die zu vertikalen wie auch horizontalen Konflikten führt
  6. Heterogene und wenig Aufgaben orientierte Ausstattung der unteren staatlichen Schulaufsichtsbehörden mit Verwaltungspersonal
  7. Hohe Problematik durch die Trennung von Dienst- und Fachaufsicht und Zuordnung zu verschiedenen Behörden bei der Schulaufsicht einzelner Schulformen

Die KSNW verweist hierzu auch auf ihre im Jahr 2016 veröffentlichte Stellungnahme ("Schulverwaltung NRW" 2/2016, S. 39 ff.)

 

II.

Die Gestaltung einer zukünftigen Struktur der Schulaufsicht in Nordrhein-Westfalen muss nach Auffassung der KSNW immer unter der Maßgabe einer Qualitätsverbesserung für die nordrhein-westfälischen Schulen sowie für das schulische Bildungssystem als Ganzes und gleichermaßen unter Berücksichtigung einer Optimierung von Verfahrensabläufen in der Schuladministration betrachtet werden.

Schulaufsicht muss mehr als bisher und unter verbesserten Bedingungen unterstützend und beaufsichtigend die Qualitätsentwicklung der Schulen begleiten können.

Für die KSNW sind dabei folgende Aspekte maßgeblich:

  1. Beibehaltung und eindeutige Konturierung der staatlichen Schulaufsicht unter Berücksichtigung des Verfassungsauftrages
  2. Beibehaltung der regionalen Verantwortung für Schulentwicklung in den Bildungsregionen und Weiterentwicklung der Eigenverantwortlichkeit von Schulen
  3. Aufgabe des Kondominiums auf der Ebene der unteren Schulaufsicht
  4. Sicherung einer Struktur der Schulaufsicht, die funktional und handlungsfähig ist
  5. Einheitliche Verantwortung für Dienst- und Fachaufsicht in einer Behörde
  6. Organisation der Schulaufsicht in einer regionalen, weitgehend Schulform übergreifenden Form, die gleichermaßen den Bedürfnissen von Ortsnähe, kurzen Reaktionszeiten und fachlicher (bei Bedarf auch Schulform bezogener) Begleitung der Schulen entspricht
  7. Schulform unabhängige Wahrnehmung einer Vielzahl schulaufsichtlicher Aufgaben (z.B. Personalsteuerung, Beschwerdemanagement, Qualitätssicherung, Schulentwicklung, Kooperation mit Schulträgern)
  8. Schulform bezogene Verantwortlichkeit in Handlungsfeldern mit Bedarf an besonderer Expertise (z.B. Schulform bezogene Unterrichtsentwicklung, fachliche Ausgestaltung von Vergleichsarbeiten und zentralen Prüfungen, sonderpädagogische Förderung)
  9. Engerer Bezug der Aufgaben der Qualitätsanalyse sowie der Lehrerfortbildung mit der originären (Schulform bezogenen oder Schulform übergreifenden) Schulaufsicht
  10. Reduzierung der Individualisierung der Wahrnehmung von Schulaufsichtsaufgaben durch eine strukturierte Leitbildentwicklung
  11. Verbindliche Aufgabenbeschreibung der Schulaufsicht, die ihren Ausdruck in abgestimmten Handlungsleitlinien finden muss
  12. Systematische Vorbereitung auf und Einarbeitung in die Aufgaben von Schulaufsicht sowie eine systematische begleitende (Weiter)Qualifizierung als unerlässliche Unterstützung für eine qualitativ angemessene Durchführung der Aufgaben von Schulaufsicht

 

III.

Ungeachtet einer durch politische Willensbildung zu verantwortenden grundsätzlichen Neustrukturierung der Schulaufsicht sind bereits jetzt niederschwellige Maßnahmen möglich und notwendig. Zu diesen von der KSNW dringend eingeforderten Maßnahmen gehören:

  1. Evaluation der Anwendung der Geschäftsordnung für die Schulämter
  2. Kriterien und Standards für die Ausstattung der staatlichen Schulämter mit Verwaltungspersonal
  3. Etablierung einer Schulform übergreifenden Aufsicht in den Schulämtern und Aufhebung des Missverhältnisses von Schulaufsichtsstellen und Stellen für Fachberatung/Koordination
  4. Verbindliche und normierte Kommunikationsstrukturen zwischen den Schulaufsichten aller Schulformen in Schulform übergreifenden Angelegenheiten (Regionale Schulaufsichtskonferenzen)
  5. Entwicklung von Verfahren der strukturierten Personalakquise für Schulaufsicht
  6. Einführung einer einheitlichen Laufbahnregelung für Schulaufsicht
  7. Orientierung der Aus- und Fortbildung von Schulaufsichtspersonen an veränderten Aufgabenstellungen